Pubertät beim Hund - Gehirn wegen Umbau im Moment leider geschlossen

Um den sechsten Monat herum verwandeln sich unsere lieben kleine Fellknäuel nicht selten in keine Fellmonster, welche die in den letzten Monaten gelernten Signale scheinbar komplett verlernt und jegliches Benehmen Artgenossen gegenüber vergessen haben. Mit anderen Worten, sie treiben uns oft schlicht weg in den Wahnsinn.......und doch hat auch diese Entwicklungsphase seinen Sinn!

Die Pubertät ist Teil der Adoleszenz und beginnt bei Hunden nach der Welpenzeit mit dem Zahnwechsel, welcher ca. zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat stattfindet, ein genauer Zeitpunkt kann nicht festgelegt werden, da die Pubertät und die daran anschließende Adoleszenz individuell und rasseabhängig variiert. In der Pubertät wird der Hund geschlechtsreif. Üblicherweise beginnt sie zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat, bei Hündinnen ist die Pubertät durch ihre erste Läufigkeit erkennbar und bei Rüden kann man sie durch das vermehrte Beinheben während des Urinierens und dem plötzlichen Interesse für die Markierungen erkennen. Beim kleinen Hund beginnt die Pubertät früher und die Adoleszenz ist früher abgeschlossen, als dies bei große Rassen der Fall ist.

Während der Pubertät passiert im Körper der Hunde sehr viel und das Gehirn ist wortwörtlich im Umbau, sie reagieren empfindlicher und intensiver auf Reize aus der Umwelt, Reaktionen fallen hier meist emotionaler aus und Pubertiere tendieren schneller zu Angst- und/oder Aggressionsverhalten. Auch die Impulskontrolle und Risikoabschätzung sind in dieser Phase nicht unbedingt ihre Stärke. Studien belegen, dass hier oft Trennungstress zum Thema wird oder sich eine Geräuschangst entwickt.

Darüber hinaus haben Pubertiere erhöhte Cortisolwerte. Dies ist ein Stresshormon, wodurch sich die höhere Stressanfälligkeit der Tiere in dieser Zeit erklären lässt. Da auch das Dopamin im Körper steigt, haben die Tiere ein gesteigertes Neugierverhalten, welches zur Folge hat, dass das Belohnungssystem viel leichter erregbar ist und die Hunde hier schwerer von Situationen abzuhalten sind, die ihre Aufmerksamkeit erregt haben. Der Rückruf war einmal....

Dies sind die Gründe, warum einerseits in dieser Phase Erlerntes wieder „vergessen“ wird und die Hunde schwerer einzuschätzens sind, denn sie reagieren emotionaler und gereizter auf Auslöser. Sie zeigen mit unter auch andere Verhaltensweisen auf bisher bereits bekannte Reize.

Zusammengefasst sind alle neuen Dinge interessanter und die Erkundung außerhalb der Wohnung und der sicheren Nähe der Bezugspersonen steht im Moment im Vordergrund. In dieser Phase tritt meist auch das erste Mal Jagdverhalten auf.

Trotzdem ist die Pubertät für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung unserer Hunde wichtig und notwendig. Während diesem Umbau sterben nicht gebraucht Synapsen, die Nervenzellen verbinden und zur Signalübertragung und Speicherung von Informationen da sind, ab. Gleichzeitig werden die Nervenfasern größer und darüber hinaus mit einer neuen Isolationsschicht ummantel, wodurch der „Rechenspeicher“ größer wird und die Leitung besser funktioniert – die Nerven im Gehirn werden also von Bundesstrassen zu Autobahnen.

So anstrengend ein pubertierender Jundhund ist, macht er die aus unserer Sicht unerwünschten Dinge nicht mit Absicht. Auch er ist sozusagen ein Opfer der masssiven Umbauarbeiten, die gerade in seinem Kopf stattfinden.

Die Pubertät ist anstrengend, für Hunde und für Bezugspersonen! Wenn in dieser Phase aversiv trainiert wird, reagieren Hunde hier besonders empfindlich und speichern dies ab bzw. reagieren dann oft mit Agressionsverhalten.

Eine Kastration sollte in dieser Phase unbedingt vermieden werden, außer es gibt medizinische Gründe hierfür.

Das Gute zum Schluss, auch diese Phase hat ein Ende

Was ist also in dieser Phase besonders wichtig:

  • Schaffen von Routinen

  • bei angstauslösenden Situationen als Bezugsperson da sein

  • gemeinsame Beschäftigung Zuhause und beim Spaziergang

  • aktive Entspannungsübungen und/oder isometrische Übungen

  • Ruhetraining an verschiedenen Orten beim Spaziergang mit entsprechender Distanz zum Auslöser

  • Arbeiten am Herunterfahren der Erregungskurve

  • Kontakt zu „zuverlässigen“ älteren Hunden zulassen – 1 von 10 Hundebegegnungen als Richtlinie

  • Am bereits Erlernten positiv weitertrainieren und so diese Übungen zu gut gespeichtertem Verhalten werden lassen

Ich hoffe diese kurze Zusammenfassung hat dir geholfen deinen pubiertierenden Hund besser zu verstehen!